Philosophie

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Wir auf dem Hof Nettelsee möchten erreichen, dass Pferd und Reiter zufrieden sind und Freude miteinander haben.
In der Pferdepension legen wir Wert auf pferdegerechte Haltung, Pflege und Fütterung. Die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes können wir Pferdebesitzer nicht komplett erfüllen, aber wir können im Hinblick auf das, was wir täglich von unseren Pferden erwarten und auf unsere infrastrukturellen Möglichkeiten, einen guten Kompromiss finden. So können wir beide Seiten zufrieden stellen und das Pferd Pferd sein lassen.
Ein überaus freundlicher aber konsequenter Umgang mit jedem Pferd steht daher bei uns an erster Stelle.

In der Pferdeausbildung bemühen wir uns um eine pferdegerechte Ausbildung und Gymnastizierung nach klassischen Hintergründen und beziehen uns dabei auf die Richtlinien der H.Dv.12 (Heeres-Dienstvorschrift für die Grundausbildung der Pferde und Reiter des Militärs von 1912). Diese bilden den Ursprung unserer heutigen Richtlinien der FN und beinhalten eine Zusammenfassung der alten Reitmeister, die uns diese wunderbare Reitlehre (die H.Dv.12) mit ihrer vertiefenden Sekundärliteratur (besonders geprägt von Gustav v. Steinbrechts Gymnasium des Pferdes) hinterlassen haben.

Militär?

Viele fragen sich, warum Militär? Warum noch heute? Das Leben der Soldaten war von dem der Pferde abhängig. Pferde waren wertvoll und mussten überaus durchlässig, geschmeidig, leistungsbereit, aber auch zufrieden und gesund sein bis ins hohe Alter. Kaum eine Reitlehre war daher so durchdacht, studiert und aufgeschrieben wie die der H.Dv.12. Warum also etwas Neues kreieren? Es ist egal ob in Uniform oder zivil, wir wünschen uns doch nichts anderes von unseren Pferden als das, was bereits vor so vielen Jahren Hauptziel der Reiterei war. Leider hat sich die Reiterei verändert. Die Richtlinien der FN sind in einigen Bereichen ungenau beschrieben und auch die H.Dv.12 bietet Interpretationsspielraum. Sie war ursprünglich für Offiziere geschrieben. Diese waren bereits „Fachleute“ für die Ausbildung eines Reitpferdes und wussten mit den oft knappen Anweisungen der H.Dv.12 umzugehen. Zudem wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Stellenwert der Pferde, durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen, ein anderer. Gutes Reiten und der tägliche stundenlange Umgang mit Pferden waren nicht mehr selbstverständlich und im Laufe dieser Entwicklung ist viel Wissen über die Ausbildung der Pferde verloren gegangen.

Zudem verfügen unsere heutigen Reitpferde durch veränderte Zuchtziele bereits von Haus aus über andere körperliche Voraussetzungen als damals. So dass Pferde zwar eine verkürzte und nicht reelle Form der Ausbildung anbieten, körperlich und seelisch auf diesem Weg aber häufig nicht gesund bleiben. Dadurch wiederum entsteht ein falsches Ideal und Vorbild für unser heutiges Reiten. Politik spielt eine Rolle, Zeit und Geld rücken mehr in den Vordergrund. Die Ruhe, Geduld und Muße sich tiefgründig mit diesem Lebensprojekt Pferdeausbildung auseinanderzusetzen ist in unserer heutigen schnellen Zeit oft nicht mehr gegeben. Es ist ein „neues“ Reiten entstanden, eine Ausbildung die nirgends aufgeschrieben wurde, die „einfach so daher kam“. 

Die deutsche Reitkultur, um die sich so bemüht wurde, und die so wunderbar zufriedene, gesunde und bis ins hohe Alter leistungsstarke Pferde hervorgebracht hat, muss erhalten werden und benötigt mehr und mehr wissbegierige, fühlende, kritikfähige Reiter, die, wie die Urheber der H.Dv.12 besonderen Wert legen auf das Erhalten der natürlichen Gänge und die individuell auf das jeweilige Pferd ausgerichtete Ausbildung.

Klassisch? 

Viele fragen sich, was bedeutet denn klassisch? Zum einen gibt es heute vielerorts hinter der Senkrechten gehende Pferde mit unnatürlichen Bewegungen und viel Spannung. Zum anderen trifft man häufig auf Pferde, die zwar mit dem Genick als höchstem Punkt und Nase vor der Senkrechten gehen, bei denen aber ein tiefer Rücken und eine hohe Kruppe auftreten. Diese Art des Reitens entspricht nicht der klassischen Reitlehre. Das wichtigste Merkmal der klassischen Reitlehre ist, dass sie sich an der Natur des Pferdes orientiert und die natürlichen Gänge in freiem, gelassenem Vorwärts erhalten möchte. Klassische Reitlehre braucht Zeit und Geduld und wirkt durch ihre natürliche Gelassenheit unspektakulär, wohingegen heutiges Reiten häufig Spannungen zeigt und durch Kraftanstrengungen von Pferd und Reiter spektakulär und imposant wirkt. Auf der einen Seite stellt die klassische Ausbildung hohe Anforderungen an den Reiter, der ständig an sich und seinem Sitz arbeiten muss, um sein Pferd ins Gleichgewicht zu bringen und mit immer feineren Hilfen reiten zu können. Die Gegenseite hingegen stellt nur geringe Ansprüche an den Reiter: Technisches Reiten von Lektionen mit viel Hand und ohne ins Pferd zu fühlen, benötigt nicht mal einen korrekten, losgelassenen Sitz.

Wir möchten uns auf unserem Hof, in unserer täglichen Unterrichtsarbeit mit Pferd und Reiter, auf Kursen und Lehrgängen, Mühe geben, zu diesem Ursprung zurückzufinden, um Pferd und Reiter zu zufriedeneren Partnern zu machen. Wir möchten lernen, verstehen und das, was wir verstanden haben, weitergeben. 
Dr. Gerd Heuschmann, der bekannte und weltweit tätige Ausbilder, Tierarzt und Buchautor (z.B. „Finger in der Wunde“ und „Die kommentierte H.Dv.12") besucht uns mehrmals im Jahr für Trainingstage und Vorträge. Ich, Lotta Katrina Hinz, bin sehr dankbar, von seinem Wissen profitieren zu können und mit meinen Pferden seit Jahren von ihm begleitet zu werden.

Ein knapper das Bild beschreibender Text

Wir vom Hof Nettelsee freuen uns auf Begegnungen mit vielen netten, gleichgesinnten Pferdemenschen!